Donnerstag, 20. Dezember 2012 - 18:44 Uhr

Und so fing alles an



 

Cottbuser Hochseefischer sucht Gleichgesinnte



Reinhard Buchwald aus Ruben will Lausitzer Seebären an einen Stammtisch
holen

Reinhard Buchwald will einen Hochseefischer-Stammtisch für die Lausitz
gründen. Selbst ist er 21 Jahre zur See gefahren, hat heftige Stürme überlebt,
einen toten Wal gerochen und seinen Kindern Seespinnen mitgebracht.



Flink hisst Reinhard Buchwald die Flagge
des Fischkombinates in seinem Garten in Ruben. Gleich daneben flattert eine
knallrote Flagge. „Die steht für das B in der Seefahrt, B wie Buchwald“, sagt
der 64-Jährige. Auf seinem linken Unterarm sind das Steuerrad, ein Anker, das
Herz und ein Kreuz fürs Seemannsgrab tätowiert. „Das habe ich mir als Lehrling
selbst gemacht – erst mit dem Kugelschreiber vorgezeichnet und dann mit
schwarzer Ausziehtusche nachgestochen.“
Geweckt hatten die Leidenschaft für die Seefahrt bei dem gebürtigen Cottbuser
Schiffsmodelle. Mit 14 Lenzen ging er zu den Segelsportlern der Gesellschaft
für Sport und Technik (GST). „Ich habe dort meinen Bootsführerschein gemacht,
dann packte mich das Fernweh“, erinnert sich der Rentner.
In Stralsund wurde er zum Maschinenbauer ausgebildet. Eine Woche nach dem
Abschluss kam er auf den ersten Logger, ein Fischfangschiff. Er hinterließ
einen guten Eindruck und wurde Maschinenassistent auf dem
Fischverarbeitungsschiff „F. C. Weiskopf“. Nach dem Studium der
Schiffsbetriebstechnik kehrte er als dritter technischer Offizier auf die
„Weiskopf“ zurück – „dass ich mich auf dem Schiff auskannte, kam mir zugute“,
erinnert sich Reinhard Buchwald.
Labrador, Montevideo, Glasgow, Maputo, Las Palmas – zu 99 Prozent steuerten die
DDR-Fischer Westhäfen an. Für seine Garnelen bekannt war Mosambik, den Hering
gab es vor allem in der Nordsee. Und vor Neufundland schwammen Kabeljau,
Rotbarsch und Heilbutt.
80 Leute haben auf solch einem Fischverarbeitungsschiff gearbeitet – 40 im
nautischen und technischen Bereich, 40 in der Fischverarbeitung. Mit der
Einführung der Kühlschiffe in die DDR-Hochseefischerei konnte auch eine
„Weiskopf“ 120 bis 140 Tage unterwegs sein. „Wir mussten täglich angeben, was
wir gefangen hatten, entsprechend regelmäßig fuhren uns die Kühlschiffe an und
nahmen uns den Fang ab.“ Das war nicht so schön für die Familien. Aber Silvia
Buchwald kam zurecht. „Wenn man sich nicht so oft sieht, hält die Liebe
länger“, sagt sie.
Verwesender Wal

 Von der „Weiskopf“ wechselte Reinhard Buchwald als zweiter
Offizier auf die „Johannes R. Becher“ – bis 1974, als er aus familiären Gründen
drei, vier Jahre aussetzen musste. 1978 fuhr er wieder – bis zum 31. Dezember
1989.
Schlimm war der Orkan 1967 im Atlantik, sogar die Rettungsboote hatte der Sturm
von Bord gezogen. „Aber irgendwie schafften wir es. In Reykjavik mussten wir
unser Schiff reparieren lassen“, erinnert sich Buchwald. Und dann der tote Wal.
„Der Rotbarsch ist ein Tiefseefisch. Deshalb werden die Netze über den
Meeresboden gezogen.“ Als das Netz hochgezogen wurde, stank es plötzlich
heftig. „Ein verwesender Wal, zwölf bis 15 Meter lang, war uns ins Netz
gegangen. Es war schlimm, wir mussten den ganzen Fang zurück ins Meer kippen.“
Aber auch den Rostocker Zoo bereichert haben die Fischer – eine Schildkröte und
ein Äffchen, das sich den Beinamen „Urwaldschlampe“ gefallen lassen musste. Und
seine drei Kinder hatten öfter in Formalin eingelegte Seepferdchen oder
Seespinnen mit in die Schule nehmen dürfen.

Um sich mit Seeleuten austauschen zu können, will Reinhard Buchwald einen
Stammtisch gründen. Seebären können sich unter Tel. 035606 40292
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en oder E-Mail Reinhard-Ruben@web.de melden.


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